Lesen und genesen

„Sei die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst“, sagte Mahatma Gandhi. –
Abgewandelt sage ich: Lies ein Buch, lies viele Bücher, lies jene Bücher, die geeignet sind, dich zu verändern – und du wirst die Welt ändern. Du wirst genesen und die Welt wird genesen:
• Deine Einsamkeit wandelt sich in ein Zugehörigsein zur großen Seelen-Gemein-schaft, und die Städte werden lebendige Zellen offener Kommunikation, in der Nachbarschaft wieder gepflegt wird.
• Du gibst Geld aus, kaufst und verkaufst die Dinge – und bist nicht mehr Sklave im Konsum-Zirkus, sondern glücklich bei der Auswahl des für dich Wertvollen.
• Du hast kein Mangel-Gefühl mehr, fühlst dich nicht ausgegrenzt im Vergleich von Arm und Reich, sondern weißt, dass Gott keinen – auch dich nicht- über seine Kraft belastet.
• Sozialabbau, Arbeitslosigkeit, Krieg sind Begriffe, die du in deinem Innern bewegst und zu denen du genauso viele Pro- wie Contra-Stimmen sammelst, ohne dabei zu verzweifeln.
• Du siehst die Fehler, die in der Welt gemacht werden – und siehst im Spiegel dazu deine eigenen Fehler. Du stehst dazu und fängst an, bewusst zu verändern:

Du hörst auf, die Politik und die großen Konzerne für die Missstände alleine verantwortlich zu machen. Du siehst, dass du durch Wahl oder Nicht-Wahl jene groß gemacht hast, die jetzt regieren oder führen. Jetzt suchst du die Gemeinschaft mit gleichgesinnten, bewusst und verantwortlich Handelnden. Das Mitläufertum hat seine Zeit gehabt. Dein Alltag ist es nun, wach dafür zu sein, wie du mit kleinen, alltäglichen Handlungen deine Umgebung infizieren, inspirieren, initiieren kannst. Dessen ganz gewiss, was uns Erich Kästner ins Stammbuch schrieb: Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.
Welche Bücher sind es, die diese Stimmung in uns wachrufen und uns nicht mehr ruhen lassen, ehe wir unseren spezifischen Dienst zum Wohle des Ganzen erfüllt haben?

Es sind zunächst einmal alle Heiligen Bücher, jene Bücher, die nicht von Menschen erfunden, sondern im besten Falle nachempfunden und – nachdem sie von höherer Warte diktiert wurden – aufgeschrieben wurden, wie zum Beispiel die Tora, die daraus resultierende Bibel, der Koran, der Sohar, die Bhagavadgita, die Upanishaden.
Danach kommt erst einmal lange nichts, ehe wir uns zu jenen herantasten, die uns diese Ursprungswerke bezogen auf die vier Seinsbereiche (Körper, Seele, Geist, Transzendenz) interpretieren helfen.

Unter diesem Aspekt verehren wir die Mystiker Rumi, Novalis, Rilke, Meister Eckardt dann gleichermaßen wie die Philosophen Heraklit, Sophokles, Kant, Nietzsche und Blüher(!). Verneigen uns vor den uns Übersetzungshilfe leistenden Meistern Osho, Ramana Maharshi und Punjaji und den in ihrem Sinne tätigen Lehrern Om Parkin, Gangaji und Mario Mantese.

Diese Genannten lassen uns auf vielen Ebenen Leben begreifen, sie holen uns jeweils dort ab, wo wir sind – ohne überheblich zu sein. Sie lieben die Menschen und haben endlose Geduld – mehr noch als es Zeit bedürfte, alle Bücher dieser Welt zu lesen.
Sie wissen, dass wir zwar von jetzt auf nachher erwachen können für das Wesentliche, aber in aller Regel viele Worte verloren (vergessen) haben müssen, ehe wir das eine Wort finden, das uns schlagartig erhellt, erleuchtet – selig macht.
So suchen wir beim Lesen jedes Buches ein Stück Befreiung aus der Not, aus Verzweiflung und Bedrücktsein. Entsprechend der Neigung des Menschen, sich in Jenseits-Welten zu flüchten, wenn es im Diesseits nicht nach Wunsch läuft, sollen die meisten Bücher dann die Träume nähren, die Illusionen verstärken und die Wünsche erfüllen helfen. Andere Bücher sollen Rezepte sein, die am Beispiel anderer zeigen, wie man zum Erfolg in den verschiedenen Lebensbereichen findet; und wieder andere sollen einfach nur die Zeit vertreiben, leichtverdauliche, anspruchslose Kost sein und Entspannung vom schweren Alltag bewirken.
So breit gestreut, findet jeder sein Buch. Jedes ist dann auch – subjektiv betrachtet – das beste. Dazu ist es faszinierend, festzustellen, dass man in jedem Lebensabschnitt genau das Buch findet, das einem Wegweiser sein kann, wenn man die Botschaft verstanden hat, die einem über das Buch zufallen sollte. Die Fragen, die einen beschäftigen, werden beantwortet – dann, wenn ich wach bin und Rilkes Rat folge, der da heißt: Lebe deine Fragen, so werden es eines Tages deine Antworten sein.
Machen Sie doch einmal die Probe, ob diese Aussage stimmt, indem Sie die Sie gerade im Innern bewegende Frage im Bewusstsein halten, während Sie irgendein gerade greifbares Buch nehmen, es willkürlich irgendwo in dem Bewusstsein aufschlagen, dass Sie auf diese Weise die Antwort auf Ihre Frage erhalten. Lesen Sie! – Die Antwort, die Ihnen zufällt, ist nicht mit der Ratio zu verbiegen, sondern als die vom Himmel herabregende, segensreiche Antwort zu begreifen – aus der Gewissheit heraus, dass das Unterbewusstsein immer mehr weiß als das Oberbewusstsein und diese Art der selbstbestimmten Manipulation die denkbar verantwortungsbewussteste ist. „Quod licet Jovi, non licet bovi“, heißt das Sprichtwort, was bedeutet, dass Sie den Jupiter (Jovi) in sich als primus inter pares zu Wort kommen ließen und nicht mehr dem triebgebundenen Ochsen in Ihnen; Sie handeln dann im Vertrauen auf die übergeordnete Führung (des Himmels) und sind nicht mehr vom Pro und Contra dieser Welt abhängig.
So werden Sie von der Welt genesen – durch das Lesen.
Wenn Sie dann zum Beispiel die Bibel als das „Buch der Bücher“ demnächst wieder einmal in die Hand nehmen, ergibt sich aus dem Zusammentreffen von Wissen und Glauben jene höhere Vernunft, die aus einem gewöhnlichen Buch ein „heiliges Buch“ macht: Sie werden nämlich feststellen, dass es einen Unterschied ausmacht, ob man ein Buch liest, das eine subjektive Wahrheit vermittelt, die Wahrheit des Autors, der das Buch geschrieben hat, oder ob man ein Buch liest, das alle Wahrheiten (= alle unterschiedlichen Standpunkte in dieser Welt) in sich vereinigt und somit die Wirklichkeit beschreibt.
Das „Wissen“ in der Bibel drückt sich in der mathematischen Genauigkeit aus (so weit sie kein Jota von der Tora der Juden abweicht / siehe alle interpretierenden Werke von Friedrich Weinreb). Der „Glaube“, den die Bibel einfordert, liegt in der Weite des Wortes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, gib dir den Wert wie du ihn dem anderen gibst (Bekanntes/Wissen und Unbekanntes/Nicht-Wissen). Wenn dies im Gleichgewicht der Akzeptanz ist, bist du heil. –
Wenn Sie sich in diesem Sinne verändern, ändert sich die Welt. Stellen Sie sich vor, dass Sie ab sofort jedem Menschen auf dieser Welt zugestehen würden, dass er ein Recht darauf hat, um seiner selbst willen geliebt zu werden – genau so, wie Sie es für sich in Anspruch nehmen, um Ihrer selbst willen geliebt zu werden und nicht für eine Rolle, die Ihnen die so genannte Umwelt aufdrücken möchte.
Indem Sie dies lesen, mögen Sie genesen!