„Alles für meine Tiere“

Wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen, in welchem Verhältnis wir zu den Tieren stehen, kommen wir nicht umhin, uns mit dem Ursprung, der Entstehung der Tiere zu beschäftigen.

Das bedeutet, die unterschiedlichen Auffassungen zu beleuchten, um nachfolgend den Versuch einer Synthese zu machen.

 

 

Die exoterische Lehre

 

Die exoterische Lehre von der Entstehung der Tiere baut nicht auf der Bibel oder anderen Schöpfungsmythen auf, sondern lässt nur das als wissenschaftlich bewiesen gelten, was aus der menschlichen Erfahrung durch Vergleiche von lebenden mit ausgestorbenen Lebewesen ermittelt und als hinreichend für eine verallgemeinernde oder spezielle Schlussfolgerung angesehen werden kann.

Die zur Zeit herrschende Lehre besagt, dass vor nahezu zwei Milliarden Jahren sich auf unserem Planeten die ersten Anzeichen für tierisches Leben fanden: zunächst kleine wirbellose Tiere mit einfachem Körperbau, von denen sich einige zu komplizierteren Formen weiterentwickelten. Die ersten Tiere mit Rückenwirbeln entstanden vor etwa 500 Millionen Jahren aus wirbellosen Vorfahren. Allmählich bildete sich eine Wirbelsäule heraus. Es entstanden die ersten Fische, aus deren Frühformen sich die Amphibien und vor etwa 250 Millionen Jahren die Reptilien entwickelten, von denen sich Vögel und einige Dinosaurier ausbildeten.

 

Die Säugetiere werden hiernach als eigene Entwicklung bezeichnet, die schon früh vom gemeinsamen Reptilienstamm abzweigt. Sie gewannen vor etwa 60 Millionen Jahren die Herrschaft im Tierreich. Eine besondere Gruppe von ihnen, die Primaten, trennte sich in der Entwicklung ab; sie besitzen im Vergleich mit anderen Säugern ein hochentwickeltes Gehirn und einen ausgeprägten Gesichtssinn. Zu ihnen gehören die Halbaffen und die Affen, auch die Menschenaffen und Menschen, die sich nach dieser Theorie aus den Halbaffen entwickelt haben.

 

Die exoterische Wissenschaft begründet diese Evolutionsthese insbesondere mit der Übereinstimmung der Primaten im Körperbau, der Physiologie und der Embryologie. Beispiele: Gorilla, Mensch und Schimpanse haben als einzige Primaten Stirnhöhlen und eine besondere Übereinstimmung der Herzschlagader. Nieren, Samenfäden und die Blutgruppen sind bei Mensch und Schimpanse gleich, ebenso die Schwangerschaftsdauer.

 

Der Anatom und Pathologe Max Westenhöfer, ein Schüler Virchows, vertrat eine abweichende Auffassung. Danach stammt der Mensch nicht vom Affen ab, sondern ist ein Stamm für sich, der direkt auf die Wurzel der Säugetiere zurückführt. Der Werdegang jeder Art sei schon im Voraus bestimmt und festgelegt. Die Tierstämme hätten sich im Verlauf der Erdgeschichte nicht einer aus dem anderen, sondern nebeneinander aus einer unbekannten Wurzel entwickelt. Die Säugetiere gingen nicht aus reptilienhaften Ursäugern hervor, sondern der Urtyp sei der Mensch.

Edgar Dacque sagte Ende der 30er Jahre: Das höchste Säugetier, der Menschenaffe, kommt von der Urform des Vollmenschen her, nicht der Mensch vom Affen. Tiere sind nach ihm misslungene Versuche der Menschwerdung.

 

Die esoterische Lehre

 

H.P. Blavatsky hat sich in ihrer „Geheimlehre“ sehr engagiert mit den Theorien der Entstehung der Tiere und des Menschen befasst, wie sie damals vor allem von Charles Darwin Schule machten, und widerspricht ihnen zum Teil unter Berufung auf östliche Lehren energisch. Sie sagt, der Mensch stamme keineswegs von Tieren und schon gar nicht vom Affen ab, er habe mit diesen nicht einmal einen gemeinsamen Urahn, sondern stelle eine eigene von Tieren völlig getrennte Entwicklung dar. Mensch und Tier hätten sich nebeneinander herlaufend entwickelt. Wohl aber strebe alle Evolution in der Natur dem vollkommenen himmlischen Menschen zu.

 

Die Auslegung der Genesis hat viele Widersprüche provoziert. Im Sinne von H.P. Blavatsky kommt man aber letztlich zu dem Schluss, dass die Menschen mit den Göttern die Schöpfung der Pflanzen und Tiere vollbracht hätten.

 

Im babylonischen Schöpfungsbild schuf der Gott Marduk die Menschen vor den Tieren, aber die niederen Tiere entsprangen dem Morast, der sumpfigen Erde.

 

Im Ägyptischen Buch der Erkenntnis der Erscheinungsformen des Gottes Ra spricht der Herr des Alls: Es gab zahlreiche Existenzweisen bevor Himmel und Erde, Schlangen und Reptilien entstanden sind. Ich bildete einige von ihnen im Urwasser, schläfrige Geschöpfe, als ich noch keinen Ort gefunden hatte, um mich aufzurichten. – Hier werden die Menschen vor den Göttern erschaffen, und Gott hat Himmel und Erde nach dem Wunsch des Menschen gemacht. Es handelt sich dabei aber nicht um den physischen sondern um den himmlischen Menschen, den Logos. Denn in einer anderen Version wird den Göttern gestattet, sichtbare und wirklich lebendige Körper anzunehmen, also zu inkarnieren.

 

Im Sepher Jetzirah wird das Tier symbolisch als niederer Körper verstanden, der zur Wiedergeburt der Seele bestimmt ist.

 

Interessant sind die Ausführungen im Buch Dzyan, dem tibetanischen Schöpfungsbericht, mit seinem Kommentar: Dreihundert Millionen Jahre hindurch versuchte die Erde, selbst Lebewesen hervorzubringen, eine Vielzahl von Insekten und kleinen Lebewesen, die, jedesmal wenn sie die Erde überfüllten, vernichtet werden mussten. Schließlich brachte sie aus dem Abfall und Schleim mineralischen, pflanzlichen und tierischen Lebens im Wasser existierende Formen hervor, die als „Wassermenschen“ schrecklich und böse bezeichnet werden. Diese zwei- und viergesichtigen Missbildungen waren Fehlschöpfungen, die von den Weltenbauern, den Chohans, vernichtet wurden. Erst mit Hilfe des irdisch-elektrischen Feuers und des Sonnenfeuers gelingt es, höhere Lebewesen hervorzubringen, die stehen, gehen, liegen oder fliegen können.

Das aber sind noch immer keine Menschen. Diese zeichnen sich durch Geist und ein göttliches Gemüt aus. Sie erhielten den göttlich-geistigen Funken. Diejenigen, die diesen nicht erhielten, blieben Tiere. Der Unterschied liegt unter anderem darin, dass jene, die ohne den göttlichen Funken blieben, keine Verantwortlichkeit haben. Diese ist erst mit der Verleihung des Verstandes gegeben.

 

Ein anderer Kommentar besagt, dass es „blaue und rotgesichtige Tiermenschen“ gegeben habe, die sich krümmten und gerade richteten und auf ihren Händen liefen.

Das erinnert an biblische Aussagen, aber auch an Aussagen im Sohar, wonach Adam 130 Jahre lang nur Geister und Dämonen in die Welt setzte durch jene Macht des Giftes, die er an sich zog.

 

Und der Talmud berichtet von Lilith, Adams erster Gattin, die ein bezauberndes Weib mit langem welligen Haar, also ein weibliches haariges Tier war. Aus dieser unnatürlichen Verbindung des menschlichen Adams mit der tierischen Eva stammen angeblich die Affen ab.

 

Nach tibetanischen Legenden existieren heute noch an den Grenzen so genannte „Nichtmenschen“, Völker in den Wäldern zwischen Tibet und Indien, die als Halb-Mensch oder Halb-Tier angesehen werden. – Tasmanier, ein Teil der Australier, und ein Gebirgsstamm in China, die gänzlich behaart sind, werden als Überbleibsel solcher halbtierischen Geschöpfe bezeichnet.

 

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

 

Worin liegt nun der Unterschied zwischen der esoterischen und exoterischen Lehre von der Entstehung der Tiere? Während die exoterische Naturwissenschaft keine Schöpfungsperioden kennt, unterscheidet die esoterische Lehre in unserer Erdkette bisher 4 Entwicklungsrunden, wobei zu Beginn jeder Runde jeweils eine neue Schöpfung beginnt: Die 1. Runde entwickelt das Mineral, die 2. die Pflanze, die 3. das Tier und die 4. den Menschen. Die göttliche Monade geht in jeder Entwicklungsrunde durch die rundenspezifischen Formen, also durch Mineral, Pflanze und Tier, bevor es in der 4. Runde menschliche Formen bewohnt. Aber die Monaden unserer Entwicklungsrunde haben ein geringeres Existenz-Bewusstsein als dasjenige, das die Dhyanis (Gottmenschen) der frühmenschlichen Form einpflanzten. Insofern ist es richtig, zu sagen, dass der heutige Mensch nicht von den Tieren unserer Entwicklungsrunde abstammt.

 

Die Exoterik und Esoterik lehren die Evolution der Lebewesen. Die Exoterik versteht darunter ausschließlich die körperliche Entwicklung. Die Esoterik jedoch unterscheidet zwischen der spirituellen, der psychischen und der körperlichen Entwicklung und beteuert, dass die körperliche Evolution der psychischen und spirituellen nachgeordnet sei.

 

Wenn wir Menschen uns heute den Tieren zuwenden, ist das möglicherweise genauso ein sinnhaftes „Opfer“, wie in der 4. Entwicklungsrunde die Göttersöhne bewusst Vermischungen eingingen, um geringer Entwickelten die Möglichkeit zu geben, sich doch noch empor zu entwickeln, statt als Tiere unbewusst bis ans Ende zu vegetieren. Der göttliche Funke wird so mit der intellektuellen Möglichkeit verknüpft, alles zu tun, um zu ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält.