Gen-Forschung

Wie auch immer Leben als sichtbarer Ausdruck eines Schöpfungsaktes entsteht, gibt es dabei den Schöpfer und das Geschöpfte.

Nach religiösen Gesichtspunkten nennen wir Gott den Schöpfer allen Lebens. Demzufolge wären alle Dinge auf der Erde, Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen sozusagen die hinterlassenen Fußspuren Gottes. – Diese Fußspuren kann man sehen. Es ist das Geschöpfte. Da wir den Schöpfer selbst nicht mehr sehen, können wir nur über das Geschöpfte versuchen, herauszufinden, wer wohl der Schöpfer war.

Es ist genauso, wenn wir zum Beispiel die Fußspur eines Jaguars im Sand finden. Der Jaguar ist längst weg, doch über die Art der Fußspur können wir im besten Fall auf den Schöpfer der Spur, den Jaguar, schließen. –

 

Was hat das mit dem Thema Gene, Genforschung, Auswirkungen der Genforschung zu tun?

 

Wenn wir Gott als den Allmächtigen im wahrsten Sinne des Wortes anerkennen, lässt er in seiner Allmacht auch zu, dass die Wissenschaftler Genforschung betreiben und in ihrem materialistischen Denken über das Zählen der Gene die Vorstellung gewinnen, damit auch das „Buch des Lebens“ offenbaren zu können. Es würde demzufolge auch Gottes Zeichen in der Welt entsprechen, dass die Spezies der Philosophen an der Genmanipulation indirekt mitwirken, indem sie die „Bestie Mensch“ zu einem den menschlichen Schöpfern, den Gen-Experten, angenehmen Zeitgenossen zu züchten bereit sind. Damit ergäbe sich dann auch, dass die Gen-Makler und Gen-Verkäufer selbstverständlich im Sinne des allmächtigen Gottes handeln, denn sie sind ja alle nur Ausdruck der in der Welt hinterlassenen „Fußspur Gottes“.

Wie wunderbar ist es unter diesem Gesichtspunkt erst recht, wenn die Mediziner beweisen können, dass es über die Gen-Übertragung gelingt, bis dahin als unheilbar geltende Krankheiten zu heilen. Sie dürften sich als die besonderen Heilsbringer in dieser Welt Gott gleich verherrlichen lassen.

 

Nur dann, wenn wir die Welt und alle darauf befindlichen Wesen nicht nur als körperliche Erscheinungen, sondern auch mit einer Seele und mit Geist ausgestattete Geschöpfe betrachten, kommen wir zu einer zusätzlichen Betrachtung der „Fußspur“ Gen-Forschung.

Dies liegt aber sehr nahe, da bei aller gigantischen Forschungsarbeit, die erfolgte, nicht herausgefunden wurde, was den Menschen zum Menschen macht.

Wenn wir in diesem Zusammenhang den Weg Jesu durch die Welt betrachten, haben wir das idealtypische Beispiel dafür, wie wichtig es ist, nicht nur das Zähl- und Messbare als zum Leben gehörig zu begreifen, sondern auch das Unermessliche – das, was in allem als göttlicher Funke enthalten ist.

Für den Menschen bedeutet dies, dass er sich bewusst werden sollte, wozu er als einzigartiges Geschöpf  in die Welt gesetzt worden ist, um entsprechend dieser Anlage und Aufgabe seine ganz persönliche Verantwortung zu übernehmen. Dabei wird immer wieder die Entdeckung zu machen sein, dass wir in einer polaren Welt leben; was bedeutet, dass es zu allem, was es in dieser Welt gibt, stets ein Pro und Contra gibt – auch zur Gen-Forschung.

Man sagt im Sprichwort „Alles hat zwei Seiten“. Besser noch:  Jedes Ding hat so viele Seiten wie es Standpunkte zu sich bietet. Von jedem Standpunkt aus lässt sich aber ein und dasselbe, also die Wirklichkeit, anders beschreiben – und alles ist wahr. Es gibt also auch zur Gen-Forschung so viele Wahrheiten wie es Standpunkte zu der Tatsache an sich gibt, dass Gen-Forschung betrieben wird.

 

Aus meiner Sicht ist es deshalb von jeder Disziplin, wie auch von Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Religion anmaßend, wenn sie in Anspruch nehmen, allein ihr Standpunkt zur Gen-Forschung sei richtig. Es gibt ein Kriterium, das alle einigen kann: der ethische Anspruch, jeweils im eigenen Bereich alles zu tun, um das Wohl des Ganzen zu erwirken. Wenn hierzu die Vorstellungen abweichen sollten, ist es allerdings die Aufgabe einer über das Konfessionelle hinausgehenden Religion, den Weg zum Schöpfer, zum Allmächtigen aufzuzeigen – und das heißt wohl, anzuerkennen, dass alles aus ihm kommt und alles zu ihm zurückkehren muss.

Im Alltäglichen lässt sich das wohl nur gestalten, wenn wir allen Teilaspekten, die das Thema Gen-Forschung zwangsläufig hat, erst einmal  gleiche Wertigkeit und Wichtigkeit geben. Sollten wir dann nach subjektiver Betrachtung werten und das eine oder andere für weniger bedeutsam oder gar für böse halten, finden wir in Goethes Faust den Hinweis zur Gelassenheit: Es sind alles Teile jener Kraft, die (vielleicht) das Böse will, jedoch das Gute schafft.