Kirchen, Orden, Glaubensgemeinschaften

Das Thema „Kirchen, Orden, Glaubensgemeinschaften“ gibt mir die Möglichkeit, Ihnen den Sinn des Lebens näher zu bringen.

Dieser Sinn hängt damit zusammen, dass sich Kirchen, Orden, Logen und Glaubensgemeinschaften gleichermaßen darum bemühen, die Quintessenz der Schöpfung – das über die Welt Erhabene, Göttliche – fassbar, begreifbar zu machen.

Gott ist in unserem bildhaften Verstehen der Vater, der König, der über den Dingen Stehende. Da wir ihn nicht als Gestalt, sondern als Geist erfassen, ist er symbolisch in unserem Inneren zu finden. Er vertritt das Jenseitige – das, was nicht von dieser Welt ist, aber in der Welt ist: in der Materie, in unserem Körper.

Diesen König gilt es wie im Schachspiel zu schützen. Es ist der EINE, einzige Gott, die Eins, die in der Polarität dieser Welt wirkt, die in der Quadratur, der Vierheit, erfasst wird. Darin ist der EINE die Quint-Essenz: die HAUPT-Sache, das Prinzip.

Wenn wir dies auf unseren Körper übertragen, ist das Haupt, der Kopf, der wichtigste Teil: die Quint-Essenz. Die vier Teile sind: 1.) der Rumpf bis zum Hüftgelenk, 2.) vom Hüftgelenk bis zum Knie, 3.) vom Knie bis zum Fuß, 4.) der Fuß. – Das, was „einen Kopf größer“ ist, ist der Hinweis auf das Jenseitige, auf das nicht mehr Messbare, auf das, was über alle Grenzen geht.

An der Grenze vom Messbaren zum Unermesslichen steht das, was „einen Kopf größer“ ist: der Riese, der den weiteren Weg, den Weg in die Zukunft behindert oder eröffnet. – In diesem Sinnzusammenhang begegnen wir Goliath und David. Goliath vertritt die Fortschrittsgläubigen im Materiellen und Körperlichen, die Technik-Besessenen und in ihrer subjektiven Wahrnehmung Gebundenen. David vertritt eine Lebensweise, die auf Vertrauen und Liebe begründet ist, die nicht berechnet und in einem Ursache-Wirkungs-Denken verhaftet ist, nicht kontrolliert und nachträgt, sondern in jedem Augenblick offen ist für das, was kommt.

David gewinnt an der Schwelle zur Zukunft den Kampf gegen Goliath, weil er sich von innen heraus, vom König selbst geliebt weiß. So genährt, liebt er das Leben selbst, wie es ist. So ist er in jedem Moment, dem er offen begegnet, die Zukunft selbst. Wie wunderbar ist es, wenn wir dazu dann erfahren dürfen, dass der Name David „der Geliebte“ bedeutet. Er ist damit der siegreiche Gegenspieler des bösen Geistes, der in der Enge des kausalen Denkens erstarrt und immer nur „warum“ fragt, in der Analyse, im Kleinkarierten stecken bleibt und allein in Leistung, Leistung, Leistung einen Lebenssinn erkennt. – „Der Geliebte“ kommt ohne Leistung aus; er ist froh, er tanzt, lacht und singt. Er kennt keine Depression.

Natürlich gilt er in der „realistischen Welt“ (die ja eigentlich besser als die unrealistische Welt begriffen werden sollte) als verrückt. Was soll´s!? Friedrich Weinreb hat diesen Menschen einmal aufmunternd zugerufen: „Du bist zwar ein Rätsel in dieser Welt, doch ein Wunder für den Himmel.“ – Ja, so ist es. Derjenige, der die Liebe im Spiel des Lebens wahrhaftig lebt, kennt nur die Hingabe an den König, an das Göttliche und Höchste, und nimmt hin, was das Innerste, das Verborgene, das Jenseitige von ihm will. Er erfasst seine Bestimmung, seinen Wert und pflegt keine falsche Bescheidenheit dort, wo er seine Bedeutung in dieser Welt erfahren muss. Er liebt, obwohl alle Welt ihm vorgaukelt, zu berechnen sei besser, und er vertraut, obwohl man ihm ständig einsuggeriert, sich abzusichern biete den größeren Vorteil. –

Vor diesem Hintergrund sollten wir uns die Kirchen, Orden, Logen, Glaubensgemeinschaften betrachten. Sind Sie in ihren Worten und Taten in diesem Geist der Liebe unterwegs? Sind Sie vielfach nur berechnende Institutionen, die sich um den Vorteil im Weltlichen kümmern und vergessen, dass es um die Beziehung vom Äußeren zum Inneren geht – und dass uns das Geschenk zuteil wurde, Geliebte des Jenseitigen, des Irrationalen, des nicht Messbaren zu sein – und dass wir deshalb in dieser Welt als Geliebte Zeugnis abzulegen haben von der unermesslichen Liebe, die alles erträgt, alles glaubt, hofft und duldet, die in der Stille zuhause ist und jede Philosophie und jede Abgrenzung in Sekten und Kirchen als Stückwerk begreift.

Liebe in dieser Welt ist ein Ausdruck der Ewigkeit.

Dies gilt für den Einzelnen wie für die Institutionen, die wir im Titel-Thema ansprechen. Friedrich Weinreb gibt uns allen, insbesondere aber auch den Kirchen, Sekten, Orden, Glaubensgemeinschaften, Logen, Bruderschaften, Geheimbünden usw. einen Hinweis zum rechten Verhalten: „Sei für den anderen da. Aber übertreibe nicht, indem du dich ihm aufdrängst. Wenn er dich braucht, weiß er dich schon zu finden. Gib ihm das Gefühl, dass du offen bist für ALLES. Das sei deine Lebensweise: ein Leben der Beziehung und nicht der Berechnung. Dann lebst du fortwährend die Erneuerung, dann erfährst du Jonathans (Jonathan = der Herr schenkt) Bündnis mit David, dem Geliebten, als ewig.