Liebe und Hass

Da gibt es fast jeden Tag eine Meldung, dass sich wieder einmal einer in Hingabe an seine Überzeugung selbst in die Luft gesprengt hat. Er reißt in aller Regel viele andere mit sich in den Tod – und diejenigen, aus deren ideologischer Mitte er kommt, feiern ihn als Helden.

Was sind das nur für Menschen? Sind sie die Verkörperung des Bösen? Sind sie die Vasallen des Satans, der die Welt ständig in Schrecken hält? – Was haben wir diesen Kräften entgegen zu setzen?

Viele unter uns, die sich auf einen Bewusstseinsweg machten, sind ja der Meinung, dass sich in einer polaren Welt Liebe und Hass bedingten, dass sie sich also in gleicher Stärke befänden. Ich glaube das nicht. Es würde heißen, das Göttliche, Erhabene – das, von dem alles kommt, in die Polarität zu zwingen. Es würde bedeuten, es als falsch zu erachten, wenn gesagt wird: Gott ist die Liebe. Wenn aber alles aus Liebe, aus dem Göttlichen entstanden ist, so ist die Liebe zuerst da und Hass ist lediglich ein Zeichen von Maya, ein Zeichen der Verblendung, eine Störung im Weltenlauf. Er hat – auch dann, wenn es zeitweise so aussieht – keine Chance, über die Liebe zu triumphieren.

Störungen, die sich in Hass niederschlagen, ergeben sich von Geburt an: Einem wird die Mutterbrust versagt, dem anderen wird sie wider Willen aufgedrückt. Einem fällt es zu, in die Kaste der Privilegierten hinein geboren zu werden, dem anderen geschieht es, dass er von Beginn an unterdrückt und gedemütigt wird. So baut sich Hass auf, ein Hass, der aus verletzter Liebe entstanden ist, ein Hass, der unaufhaltsam ist, ein Hass, der aus transzendentalen Tiefen kommt. Und so wie das Transzendentale unermessliche Dimensionen kennt, steigert sich dieser Hass bis zu unübersehbarem Massenwahn.

Dennoch: Der Hass ist nicht der Vasall des Bösen. Wäre das so, würde der Anti-Christ triumphieren. Er würde sagen: Ich will das Böse aus reinstem Herzen und würde dafür am Kreuz (von Zeit und Raum) sterben und gebe dafür mein Blut hin.

Liebe ist Leben in der Totalität des Körperlichen, Seelischen, Geistigen und Transzendentalen. Hass bringt physischen und psychischen Tod. – Da es aber in der Natur kein endgültiges Sterben gibt, sondern nur Transformation, ist Hass nur eine vorübergehende Erscheinung, ein prozessuales Geschehen, an deren Ende die Auferstehung der Liebe steht. Das Geistig-Transzendentale, Unvergängliche, triumphiert über das Vergängliche.

Wenn sich dieses „Unvergängliche“, diese Liebe, immer wieder neu in die Welt begibt, zeitigt es das für den Sehenden nun leicht zu durchschauende Spiel des Satans in der Welt. – Wenn ich denn sehen kann, nähre ich mich aus dem Organ der Liebe: der Güte.

Diese Güte wird allen und allem zuteil, was in dieser Welt ist: auch den so genannten Terroristen und ihren in Fanatismus entarteten, vielfältigen „-ismen“ (Kapitalismus, Fundamentalismus, Kommunismus, Imperialismus, Sexismus usw.)

Auch wenn dies die Basis allen Denkens, Fühlens und Handelns geworden ist, bin ich dennoch ein Krieger, ein Soldat der Menschenliebe, der täglich versucht, Leben zu retten, indem ich die Welt ihrer Träume beraube und auf das Todbringende, Vergängliche, hinweise.

Dem Amerikanismus muss entschieden entgegen getreten werden. Er gaukelt uns den Traum von einem ewigen Fortschritt im Materiellen vor und spiegelt damit doch nur den aus verletzter Liebe geborenen Hass wider, der entstandenen ist, als das von den USA vertretene Amerika von der „alten Welt“ als Sklaven-Kolonie, kultur- und geschichtslos gebrandmarkt wurde. Nun haben sich die Erben zum Büttel des Satans gemacht und alle, die „um das goldene Kalb tanzen“, zu ihren Verbündeten gemacht. Amerikanismus psychologisiert wild und nahezu unkontrolliert in der Welt herum und stülpt seine Glaubenssätze den Abhängigen über.

Diejenigen, die sich dagegen wehren, aber nicht von Güte geleitet sind, sondern sich aus dem Hass nähren, der entstand, als ihre Liebe zu ihren ererbten Wertvorstellungen verletzt wurde, kommen aus demselben Schattenreich wie die Vertreter des Amerikanismus, heißen aber Islamisten. Auch ihnen muss entschieden entgegen getreten werden. Sie gaukeln uns den Traum von einem ewigen Leben im einseitigen Sinne Mohammeds vor.

Extremer können die Werte nicht angesiedelt sein: hier das Grobe, Materielle, dort das Feine, Unfassbare, Transzendentale. Welcher Wertmaßstab bleibt da in dieser Welt? Ich meine: allein der Maßstab des Not-wendigen!

Und der ist, sozusagen im Geheimen, auch tatsächlich die Grundlage der bereits geführten Kriege und der noch bevorstehenden Kriege. Die USA und deren Verbündete halten es für notwendig, im Namen ihrer Völker die wirtschaftliche Absicherung zu gewährleisten, dass alle den erworbenen Wohlstand erhalten können. Dafür müssen sie die Rohstoffe dieser Welt auf ihre Seite bringen und sei es mit Gewalt. Ihre Legitimation nehmen sie aus ihrer verletzten Liebe zum Vaterland oder zur Charta der Vereinten Nationen (die sie selbst nicht einhalten) und überziehen diejenigen, die ihren Interessen entgegenstehen, mit Hass, erklären sie zu Terroristen, weil sie nicht so denken wie sie.

Die zum Beispiel dem Islam zugeneigten Völker sehen sich von der Macht des Geldes bedrückt, merken, dass die vereinigenden religiösen Werte für Dollars verkauft werden. Auf der materiellen Ebene können sie der breiten Phalanx der Amerikahörigen auf Dauer nichts entgegensetzen, folglich suchen sie die Macht der Religion in die Waagschale zu werfen – siehe Iran.

Und nun, liebe Leserinnen und Leser, fordere ich Sie auf, den Amerikaner und den Iraner in sich zu entdecken. Es sind der Realist in Ihnen und der Idealist in Ihnen. Haben nicht beide die gleiche Berechtigung in Ihrer ganz persönlichen Existenz? Wer erschlägt da von Zeit zu Zeit wen? Wie oft haben Sie sich von diesem in Ihnen tobenden Widerspruch terrorisiert gefühlt? Wie oft hatte dieser in Ihnen tobende Kampf eine solche Sprengkraft, dass Sie selbstzerstörerisch „den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“ mussten? –

Was konnte Sie in diesen Situationen wieder zur Ruhe bringen? – Die Entscheidung, was JETZT notwendig ist, um zu überleben! Der Hass auf die eine oder andere Seite in Ihnen hat auf Dauer nichts gebracht, war lediglich eine vorübergehende Stimmung. Aus Liebe zu Ihrem Gesamt-Organismus haben Sie heute diese, morgen jene Komponente (Person) in Ihnen befriedet, und haben damit das Entweder:Oder überwunden und dem Sowohl:Als auch zum Sieg verholfen.

Dieses Leben in Liebe ist gefährlich – lebensgefährlich. Die eine wie die andere hasserfüllte Seite zerreiben Sie in der Mitte, denn jede wollte Sie zu fassen kriegen, jede wollte Sie für sich polarisieren. Aus diesen Feind-Bildern nährt sich die Welt.

Fazit: Sie sind der verlorene Sohn, hinausgeschickt in die Welt, um zu entdecken, was es alles gibt, um dann am Ende festzustellen: Es gibt keinen kategorischen Imperativ des Bösen. Nein, am Ende steht fest: Aus Zwietracht entsteht Eintracht, aus Missklang höchste Harmonie – in Ihrem Herzen, dem Zentrum der Liebe.