Schwachsinn Pisa-Studie

Gehören Sie zu jenen, die aus mangelndem Bewusstsein zu ihrer Herkunft und Gutgläubigkeit gegenüber Presseberichten und politischen Instanzen annehmen, was uns die so genannte Pisa-Studie als Mangel am deutschen Schulsystem vermitteln will?

Ich hoffe nicht. Denn wir haben guten Grund, diese Pisa-Studie zwar als bewusstseinsfördernde Anregung zu begreifen, aber ihre Interpretation hinsichtlich erfüllter und unerfüllter Standards ist für ganzheitlich denkende Menschen Schwachsinn. – Das ist es immer, wenn man Richtlinien herausgibt, die schablonenhaft übergestülpt werden, ohne zu berücksichtigen, dass diejenigen, die betroffen sind, ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, die aber berücksichtigt werden wollen, wenn man ihnen wirklich gerecht werden will, und nicht nur politischen Dirigismus im Sinn hat. Bei der Pisa-Studie hat man einen Europa-Standard kreiert, und zwar im Hinblick auf das, was man politisch fördern will: Naturwissenschaften und die vielfach damit verknüpfte Engstirnigkeit, dafür andere Bildungskomponenten streichen oder vernachlässigen zu können. Die linke Hirnhälfte wird damit gefördert, die rechte als minderwertig eingestuft.

Konkret heißt das, dass Bildhauerei, Malerei, Literatur, Musik, Kreativität aus dem Unbewussten, Phantasie, Visionssuche und Träume nicht zum geförderten schulischen Alltag zählen. Dafür sind im internationalen Wettbewerb, der fast ausschließlich um technischen Fortschritt bemüht ist, keine Mittel – vor allem keine Einsichten – da. Zu dieser miesen Entwicklung gehört auch, dass alle über einen Leisten geschlagen werden und Englisch lernen müssen und dafür mehr und mehr Deutsch verlernen dürfen, denn das scheint nicht zukunftsträchtig.

Was ist da Ursache, was Wirkung? – Es ist ja längst festzustellen, dass die Deutschen ein mangelndes Selbstbewusstsein in der Weise ausleben, und dass sie bereit sind, alles besser zu finden, was jenseits des deutschen Kulturkreises liegt. Im Bildungsbereich hat man blindlings gemäß der Pisa-Studie Finnland und Schweden als die neuen Leitbilder angenommen, im universitären Bereich gelten die englischen oder amerikanischen Hochschulen als die kompetenteren – und damit einher geht der Verlust einer Identifikation mit dem Kulturgut, das urdeutsch ist und sich besonders auf Dichter und Denker bezieht. Aufgrund der jüngeren Geschichte haben wir Deutsche erst recht den Mut verloren, uns zu unserer Herkunft zu bekennen. Wir machen daraus eine „Tugend“, indem wir uns mehrheitlich multikulturell geben und eintauchen in Internationalität, ohne unsere Hausaufgaben gemacht zu haben: nämlich analysiert zu haben, was uns als Deutsche auszeichnet.

Im Zusammenhang mit dem Thema Bildung dürfen wir zum Beispiel für uns in Anspruch nehmen, dass wir angesichts unserer Geschichte bereit waren, hart mit uns ins Gericht zu gehen. Wir haben die Schuld auf uns genommen – und sind damit Vorbild für die meisten Nationen. Aber – was zu weit geht, geht zu weit!

Sich mit seiner deutschen Herkunft zu identifizieren, heißt insbesondere, Wert darauf zu legen, sich auf Deutsch zu verständigen, über die Sprache einen lebendigen Bezug zueinander zu haben, sich über die Sprache vor Entfremdung von den eigenen Wurzeln zu schützen und unsere geistige Macht über die bewusste Pflege der deutschen Sprache an deutschen Schulen zu dokumentieren.

Selbstbewusst Deutsche/r zu sein, heißt dann auch, mutig jenen zu begegnen, die nur den kurzfristigen Effekt im Auge haben, die traditionelle Werte auf dem Mode-Markt der Eitelkeiten opfern – und das sind jene Politiker, die ihre Seele für ihre Fortschrittsgläubigkeit in Technik aller Art verkaufen, das sind jene Unternehmer, die um des schnellen Reibachs willen jede Unternehmenskultur, die den einzelnen Mitarbeiter in seiner individuellen Einzigartigkeit würdigt, verraten, und das sind auch jene Verleger, die ihre Publikationen wegen ihrer politischen (und damit verbundenen wirtschaftlichen) Abhängigkeit insbesondere über ihre Leitartikel-Schreiber zu willfährigen Vasallen der gerade Regierenden macht. – Das Schlimmste dabei ist, dass man auch daraus eine Tugend macht und feststellt: So machen´s doch alle im „Haifischbecken“, wo es heißt „Entweder:Oder – Du oder ich – eh ich mich fressen lasse, fress ich lieber Dich“. – Tatsächlich ist eines fast aufgefressen worden: Differenzierteres Denken hinsichtlich dessen, was wir als „die Kraft, die aus der Herkunft stammt“(Dr. Peter Orban) bezeichnen können, und dem, was wir als das Andersartige, Fremde zu integrieren haben.

Was wollen uns denn die Interpreten der Pisa-Studie weismachen? Dass wir Deutschen im Verhältnis zu anderen weniger Kenntnisse haben, und zwar in jenen Bereichen, die nach politisch-wirtschaftlicher Auffassung die wichtigsten sind. Wir hinken hoffnungslos hinterher, weil wir nicht konzentriert genug unser Schulsystem „auf die Anforderungen der Zeit“ ausgerichtet haben.

Zu diesen Anforderungen der Zeit ist ein natürliches Gegengewicht gesetzt: Vordergründig haben wir Deutsche zwar das eigenständige Denken vielfach an den Nagel gehängt, doch in unseren Genen steckt noch der alte Zeit-Geist, der erfasst im Unter-bewussten, dass unsere wahre Stärke in der Nutzung der rechten Gehirnhälfte liegt: im Voraus“denken“, im Visionären, im Erfinderischen, im Kreativen, im Musischen – dort, wo man über die Grenzen von Schablonen hinausgeht.

Aus diesem Blickwinkel ist nur eines abhanden gekommen:

Das Innerste wieder nach außen zu bringen. Daraus ergäbe sich, dass die Pisa-Studie sein darf – für die, die aufgrund ihrer Geschichte zur Anpassung an aktualisierte, schnellem Verfall preisgegebene Normen neigen und sich -positiv ausgedrückt – besonders wendig, weil ohne Geschichte, den Mode-Markt zu Eigen machen.

Für uns Deutsche sollte die Pisa-Studie genauso wenig gelten wie für die selbstbewussteren Franzosen und Engländer, denen es nicht im Traum einfiele, Bildungsstandards, die in anderen Teilen der Welt gelten, als besser anzusehen als jene im eigenen Land.

Wir haben alles, was uns besonders macht. Wir müssen es nur als Eigenwert anerkennen, als Schatz begreifen – und aus der Pisa-Studie das machen, was sie ist: ein Stück Papier, das wir gerne lesen, um festzustellen, dass wir anders sind – nicht schlechter. –

Diese Gedankengänge habe ich dem vorangestellt, was unser Anliegen in dieser „Lebens(t)räume“-Ausgabe ist. Wir möchten Sie bitten, auf sich zu achten, das heißt, das aus Ihrem Leben hinauszuwerfen, was seine Zeit gehabt hat, damit Freiraum entsteht, in den wieder Neues eingebracht werden kann. Das ist Bildung! Sie bilden damit Eigentum, Eigenwert. Ein Eigenheim ist dann wirklich mehr als das Heim, das auf Ihren Namen in einem Grundbuch eingetragen ist; es ist Ausdruck des Eigenen, des unverfälscht Einzigartigen. So sei es mit allen Dingen, die zu Ihnen gehören!

Bei allem Werte-Wandel, auf den Sie achten müssen, um nicht krank zu werden, ist es also notwendig, dass Sie sich von sich und von dem Andersartigen, das Sie in die Freiräume einbringen, ein genaues BILD machen – feststellen, was zueinander passt und was nicht. Somit ist BILDung für jeden etwas anderes. Jeder ist nämlich sein eigenes Ziel. Jeder bildet sich, indem er danach trachtet, das mitgebrachte Erbgut zu veredeln.