Spiri-Wissens-Verschnitt

Es ist schon erstaunlich, was Werbung bewirkt. Auch Sie hat sicherlich die breit angelegte Kampagne zu „Bleep“ und „Secret“ erreicht. Beide Schöpfungen vermitteln, wie angeblich der Paradigmenwechsel nun breite Bevölkerungsschichten erfasst habe und endlich die Wissenschaftler den Beweis für seit langem bekannte esoterische Thesen geliefert hätten oder aber jeder von uns die Möglichkeit hätte, sich das Universum geneigt zu machen und durch die Kraft der Vorstellung, des Wünschens und Kreierens sein Leben zu einem Wonnebett der Freuden zu gestalten.

Ehrlich gesagt, mich haben beide Filme (als DVD´s) gelangweilt. – Es ist die Gegenreaktion, wenn Selbstverständlichkeiten in gestelzter oder reißerischer Sprache als gerade neu entdeckte, die Menschheit nun von den Sockeln stürzende Erkenntnisse verkauft werden. Das betrifft insbesondere „Bleep“, während in „Secret“ die so genannte Kraft des positiven Denkens noch einmal übersteigert wird und den Leuten weis gemacht wird, sie müssten nur richtig wünschen und dann verliefe das Leben so, wie sie es wollen.

In meinem Umfeld hat mich überrascht, wie selbst jene, die seit langem auf dem Weg zu mehr Bewusstheit sind, sich überschwänglich begeistert über diesen Spiri-Wissens-Verschnitt äußerten.

Ja, es gibt mir zu denken, ob ich nicht wieder einmal aufgerufen bin, mein Aufgabengebiet zu ändern. Denn schon vor zwanzig Jahren war ich im eigenen Betrieb kontraproduktiv, indem ich jene, die in das Esoterische Zentrum auf Lanzarote kamen, um sich von der Realität dieser Welt zu distanzieren und auf „Wolke Siebzehn“ zu gehen, aus deren Sicht die Härte zeigte, sich auf dem Boden der Tatsachen auf dieser Erde das Paradies zu gestalten. Allerdings nicht durch frommes Wünschen sondern durch das inhaltliche Studium ihres Lebensplanes, in dem verankert ist, dass Glück sich allein daraus ergibt, wie der Einzelne begreift, das zu wollen, was er soll. Die gesetzmäßigen Grundlagen dazu sind das Resonanz- und das Polaritätsgesetz. Das, was die Wissenschaftler im Film dazu erfassen, ist allein die Reduktion, wie Geist auf den Körper wirkt. Doch die Zusammenhänge und Komplexitäten und Vielfältigkeiten auf den verschiedenen (!) Bewusstseinsebenen, die sich bei Berücksichtigung der zum Sein gehörenden Aspekte von Seele und Transzendenz ergeben, sind (bewusst?) außer Acht gelassen. Damit würden sich auch nicht die esoterischen Massen, die man auf Esoterik-kontraproduktiven Messen findet, gewinnen lassen.

Nun bin ich dabei, auch im Magazin „Lebens(t)räume“ meiner von der Mehrheit abweichenden, individuellen Wahrheit Raum zu geben, obwohl ich doch darauf angewiesen bin, dass immer mehr Leute das Magazin abonnieren und immer mehr in den Bewusstseinsmarkt drängende Firmen inserieren. So schaufle ich mir das eigene (Wettbewerbs-) Grab. Es geht nicht anders. – Meine Hoffnung ist, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und entsprechend des Resonanzgesetzes jene zu treuen Inserenten und Abonnenten der „Lebens(t)räume“ werden, die das Paradoxon durchdringen, dass wir, wenn wir uns von innen betrachten, absolut frei sind, von außen betrachtet entsprechend der Vererbung, der Erziehung und Umwelt aber determiniert. Aus beidem ergibt sich das „Tu was du willst“ in göttlicher Liebe, nachdem du durch Introspektion dein Ur- und Grundgesetz gefunden hast. So zeigt sich dein wahrer Wille. So offenbart sich die Wahrheit, dass der, der die Welt erkennen will, ihr entsagen muss, ohne sich von ihr abzuwenden. Das ist wahres Erwachen. Alles andere ist Klamauk.

Eine Hoffnung tragen beide Filme in die Wohnstuben: „Wo das rationale Weltbild seinen alleinigen Anspruch aufgibt, beginnt die goldene Morgendämmerung. Der alte Sonnenlogos offenbart sich als junger Horus und reicht der suchenden Seele die Hand.“ (Zitat aus „Tempelschlaf“ von Gabriele Quinque“, Param-Verlag)