Sterbebegleitung

Wenn das Titel-Thema der „Sterbebegleitung“ gewidmet ist, liegt der Schwerpunkt auf dem, was Veetman Maßhöfer im nachfolgenden Beitrag als praktische Hilfe für Menschen anbietet, die sich schicksalhaft damit beschäftigen müssen. Zusätzlich möchte ich um dieses Thema kreisen und sehe meine Sterbebegleitung als wacher werdender Mensch in vielen gesellschaftlichen Bereichen: Ich zeige an, dass das einzig Wirkliche das Sterben ist. Nichts bleibt. Dazwischen (= inter esse) sind Vorstellungen und Träume.

Der Dalai Lama vermittelt im tibetischen Vajrayana-Buddhismus, dass die Liebe und das Mitgefühl die Grundlagen für den Weltfrieden auf allen Ebenen sind. Wer würde da, solange es in der Theorie bleibt und allein als Ziel allen Strebens am Ende einer Entwicklung gedanklich angesiedelt wird, nicht zustimmen? Was erntet jemand, der so einseitig friedfertig in dieser polaren Welt agiert? – Krieg mit der Vielfalt der Sterbeprozesse: Nicht nur Menschen-Rechte sterben, auch die Rechte aller sonstigen Lebewesen, wie Mineralien (Bodenschätze), Pflanzen, Tiere. Sie werden missbraucht, geschändet, missachtet. Letztlich stirbt sogar die Weisheit eines Lao Tse, der von einer Tugend der Nutzlosigkeit spricht und dafür folgendes Beispiel hat: Ein großer Palast soll gebaut werden. Dafür wird fast der ganze Wald gerodet. Doch ein Baum bleibt stehen, weil er als völlig nutzlos gilt, da er nicht gerade ist und auch viele Knoten hat. Es lassen sich keine Balken daraus machen, folglich auch keine schönen Möbel, und als Feuerholz taugt er auch nicht, denn sein Rauch ist giftig. Lao Tse meint dazu: Seid wie dieser Baum. Völlig nutzlos, dann wird Euch auch niemand etwas zuleide tun. Ihr könnt dann wachsen und riesengroß werden und somit Tausenden Schatten spenden. – Wo gibt es diesen Baum? Auch der nutzloseste nach diesem Beispiel muss in unserer verrohten Welt sterben, lange ehe er riesengroß werden und Schatten spenden könnte.

Der Rat des Lao Tse, nicht schlau, nicht praktisch zu sein, damit man nicht auffällt und als nutzlos gelten kann, mündet dennoch in etwas ein, was das Sterben überwindet: „Bleibe einfach nur dir selbst treu.“ Unter diesem Gesichtspunkt empfehle ich auch den informativen Film „Der Weg zur Erleuchtung“ (Frenetic Films/edel motion), der alle Suchenden, die „Siddharta“ oder „Die 5 Tibeter“ mit Begeisterung aufnahmen, mit farbenprächtigen Bildern zur Praxis des tibetischen Buddhismus gleichermaßen beglücken wird. Allerdings teile ich nicht die vermittelte Auffassung des Films, dass der Weg zur Erleuchtung einer bestimmten Form und einer bestimmten Stufenleiter der einzugehenden Exerzitien bedürfe. Es ist zwar mancher bei der Erfüllung ritueller Hand-lungen erleuchtet worden, aber es gibt auch zahllose Beispiele der Gnade, wonach ohne vordergründige Anstrengung, bestimmte wundersame Rituale zu erfüllen, das Erwachen erfolgte. – Ein Erleuchtungserlebnis könnte für viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, jener Teil des Films sein, der das BARDO („Der kosmische Raum oder Zwischenzustand“) beschreibt.

(Osho sagt über BARDO: „Du legst den Grundstein für ein neues Leben, das ein völlig anderes Leben sein wird. Es wird dein letztes Leben sein, denn jeder, der bewusst stirbt, der den Übergang nutzt, um einen Geschmack völliger Reinheit zu erfahren, und bewusst in den Mutterbauch eingeht, wird bewusst geboren. Die Erleuchtung dieses Menschen ist von der Natur garantiert; er hat die Saat, den Nährboden“).

Bedenkt, was Ihr im Laufe dieses Lebens an Dingen, Wissen, Erfahrungen ansammelt. Nehmt Ihr es mit, wenn es ans Sterben geht? Wenn Ihr es zurücklassen müsst, macht Euch auch keine Sorgen darum. Nur für das, was einem der Tod nicht wegnimmt, lohnt es sich, sein Leben zu opfern. Deshalb versucht in jedem Augenblick Eures Lebens herauszufinden, was niemals stirbt!

Wo ist das Land der Unsterblichkeit? Wo gibt es nie Geburt und Tod? -Versucht es mit Meditation…..