Was wir bekämpfen, stärken wir

Versöhnlicher Umgang mit dem Bekämpften

 

 

Dies ist ein Geschenk, das sich jeder selbst machen kann. Ich gebe nur die Anregung dazu. Mein Ziel dabei ist, Sie aus der Verwirrung und Verirrung zu befreien, die darin liegt, dass Sie bewusst oder unbewusst die Gesetze der Polarität missachten. Wenn Sie sich über die Wirkung dieser Gesetze im Klaren sind, unterscheiden Sie Schuld und Verantwortung, Sie wollen wieder werden wie die Kinder, um ins Himmelreich zu kommen, d.h. aus dem Irrgarten Welt herausfinden, in dem so viel Spannungen aufgebaut sind, dass ständig irgendwo alle Stricke zu reißen drohen und das absolute Chaos vorprogrammiert erscheint.

Dazu ist es erforderlich, dass Sie bei sich anfangen. Nirgendwo sonst. Es bedeutet, dass Sie sämtliche Projektionen zurücknehmen, nicht mehr mit Fingern auf andere zeigen, keinen für Ihre Nöte und Sorgen verantwortlich machen außer sich selbst.

Zunächst prüfen Sie einmal anhand des nachfolgenden Beispiels, das für Tausende andere stehen kann, wo Sie derzeit angesichts dieser Ausgangsposition stehen:

Sie haben gehört, dass Andre Agassi, der große Tennisspieler, in seinen Memoiren gestanden hat, Drogen genommen zu haben. Daraufhin haben ihn seine ehemaligen Kontrahenten, die sich auch schon einmal Freunde nannten, verurteilt und gefragt, was das nach so langer Zeit noch bringen solle, wem das diene; er hätte es für sich behalten sollen.

Sie haben in allen Medien die einhellige Meinung aufzunehmen gehabt, dass diejenigen, die Drogen nehmen, Betrüger seien und ihrer „gerechten Strafe“ zugeführt werden müssten, d.h. von der anständigen Gesellschaft ausgegrenzt gehörten. In der Tageszeitung, die ich beziehe, zeichnet dafür ein Herr Rauschnick (!) verantwortlich. –

Sie haben wahrscheinlich in diesem Zusammenhang nicht gehört, dass es in Deutschland zwar ca. 1.300 „Drogen“-Tote jährlich gibt (gemeint sind jene, die an verbotenen Substanzen verenden), aber im selben Zeitraum mehr als 42.000 Alkohol- und mehr als 105.000 Tabakopfer. –

Was sagen Sie dazu? Vertreten Sie die vorgefertigte Meinung der in Projektionen schwelgenden Massen(-Medien)? Erkennen Sie die „Erbsünde“, die sich aus der Genesis, der Paradies-Geschichte, ableiten lässt? Adam beschuldigt zunächst Eva, sie habe ihn verführt. Als diese die Projektion zurückweist, weist Adam Gott die Schuld zu, denn er habe ihm ja dieses Weib gegeben.

Die Klein-Geister steigen hier aus und beharren auf ihrem Stand-Punkt. Bewegen sich nicht in die Tiefen, in denen aufgedeckt werden kann, was das sich ständig erweiternde Übel der Menschheit ist: die Schuld von sich zu weisen.

Die Entschuldung liegt in der Anerkennung, dass wir geteilt sind, dass aus 1 (der Einheit) die 2 (die Zweiheit / Verzweiflung / die Welt in ihrer Verschiedenheit) geworden ist, wonach sich alles über die 2 ausdehnt, sich vermehrt und eine immer weiter entrückende Peripherie schafft. Dass es aber nach dieser Entfaltung einen Weg zurück gibt: in die Einfaltung, hin zur Mitte – von der Schale zum Kern, zum Anfangsgeschehen, zum Kind-Sein, zum unschuldigen Sein. –

Wenn nun Andre Agassi sich zu seiner Absonderung (Sünde) bekennt und zugibt, in der von Geld- und Macht-Interessen beherrschten Welt das teuflische Spiel mitgespielt zu haben und sich mit Drogen aus dem Mittelmaß entfernt zu haben, hat er den Rückweg von der Peripherie zu seinem wahren Kern angetreten: er wird ehrlich, bekennt Verwirrung und Verirrung, reinigt sich von dem Bösen (dem Schatten, der ihn verfolgte) und findet heim zu dem, was er in der Projektion bewundern lernte: den offenen, die Stirn bietenden Umgang seiner Frau mit den Verführern, Lügnern und Scheinheiligen dieser Welt. Nun ist es weder im so genannten Positiven (Licht) noch im Negativen (Schatten) in der Projektion, sondern bei ihm angekommen: die Verantwortung für das, was geschehen ist.

Das ist die Transformation, die für den erwachsenen Menschen not-wendig ist: die (Erb-)Schuld in Verantwortung für den als Individuum zu vertretenden Anteil der Absonderung zu wandeln – den Weg in die Peripherie und wieder zurück als zusammengehörig zu begreifen – und nicht übel zu nehmen.

So verstanden, haben wir eine neue Begriffswelt zu dem, was wir bei den christlichen Kirchen berechtigt beklagen, wenn dort der Schuld-Begriff auf die gläubigen Schafe abgewälzt wird, aber eine Aufarbeitung der eigenen Schuld bis heute nicht erfolgt ist.

Da lobe ich mir doch jene, die wie der verlorene Sohn in der Bibel weggehen von denen, die sie unbedingt halten wollen (Eltern, Kirchen, Sekten, Parteien usw.). Sie schwimmen gegen den Strom, entfernen sich von den sicheren Gefilden der Geborgenheit in einer etablierten Gruppe, stolpern, scheitern, richten sich wieder auf, drehen sich im Kreis – und kommen dorthin, wo sie hergekommen sind. Und siehe da: Für sie wird das Fest gefeiert, nicht für die, die es nicht gewagt haben, sich zu erheben und in der Verwirrung möglicherweise umzukommen.

Das Bild ist eindeutig: der Prozess des Lebens heißt Jesus und Buddha, heißt „Kommt und folgt mir“ in die Peripherie (nach außen) und heißt auch „Spring vom Rad des Schicksals ab“, komm nach innen: zur Mitte. –

 

So wünsche ich uns nach dieser Erkenntnis die Erleuchtung, die darin gipfelt, das Gleichgewicht zwischen Licht- und Schattenarbeit herzustellen. Unter dem Christbaum liegt dann das unverhüllte Geschenk der Einsicht, dass insbesondere das Heilige und Heiliggesprochene einen riesigen Schatten wirft. Wir müssen nur hinschauen und darauf achten, dass wir nicht einseitig etwas verherrlichen. Für die Reichen unter uns ist die Armut der Schatten, für die Armen unter uns ist der Reichtum der Schatten (Jesus wird im Stall geboren, Buddha ist ein Königsohn). Sicher ist: Wer seinen Schatten sucht, findet ihn.