Wege aus der Politikverdrossenheit

Der nachfolgende Beitrag wurde 1993 der Theodor-Heuss-Stiftung als „demokratische Zeitaussage“ zur Verfügung gestellt. Frau Hamm-Brücher bat damals um Beiträge, die „wichtige politische und gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig ins öffentliche Bewusstsein tragen“.

Seit dieser Zeit ist die Politikverdrossenheit noch größer geworden. Es gehen immer weniger Menschen zur Wahl. Noch weniger Menschen kümmern sich inhaltlich um die Grundlagen der Politik, nach der sie regiert werden. Das nahezu blinde Vertrauen, das man den Volksvertretern früher entgegenbrachte, ist nun tiefem Misstrauen gewichen. Zu oft ist gelogen, verbogen und betrogen worden. Zu lange verdeckte der relativ hohe materielle Wohlstand die Defizite in den anderen Seinsbereichen. Schein galt mehr als das Sein. Die Teile dienten nicht mehr dem Ganzen. – Das soll sich wieder ändern. Das kann sich wieder ändern. – Dies soll ein Beitrag dazu sein. Er stellt die Gesetzmäßigkeit der Welt als Wegbeschreibung zu einem der Ganzheitlichkeit von Körper-Seele-Geist-Transzendenz entsprechenden, stufenweisen Entwicklungsprozess dar:

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  • „Alles dreht sich“
  • In jedem Anfang liegt das Ende – in jedem Ende ein neuer Anfang“
  • Alles entwickelt sich wieder auf seinen Ausgangspunkt zu: „Werdet wieder wie die Kinder“ bzw. „der verlorene Sohn“ kehrt heim.

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Der Werdegang wird Evolutionsprozess genannt. Wieviel (Kreis-) Umdrehungen zu machen sind, bis der Prozess abgeschlossen und das Ziel des Alles-Erkennens, All-Wissens und -Verstehens erreicht ist, weiß niemand. So müssen wir alle lernen, es (die Arbeit bis zum Ziel, Stufe um Stufe, bzw. in spiral-förmiger Drehung) umsonst zu tun, d.h. nicht wissend, ob und warum es eine Belohnung für die Mühen gibt. Erreichtes wird immer wieder nur als ein Etappenziel zu begreifen sein, als ein Punkt im Kreis, von dem aus es wieder weitergeht, so lange bis es nichts mehr zu begreifen, zu verstehen, zu erkennen gibt.

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Analog zum jahreszeitlichen Geschehen gibt es bei jeder spiralförmigen Bewegung vier Entwicklungsperioden, die ein Auf und Ab symbolisieren, ein Kommen und Gehen, eine Expansions- und Introversionsphase: das herausdrängende frühlings- und sommerhafte und sich einfaltende, herbstliche und winterliche Geschehen.

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Dieses „Rad des Schicksals“, das sich um den ruhenden, sich nicht bewegenden Punkt in der Mitte, die Nabe, dreht, symbolisiert die vier Seinsebenen des Menschen, die gleichzeitig vorhanden sind, aber meist nur im Drehen des (Lebens-)Rades nacheinander in zeit-/räumlicher Folge erfasst werden können: Körper, Seele, Geist und Transzendenz.

In seinem frühlingshaften Zustand wird also der Mensch im besten Falle mit seiner Körperlichkeit vertraut, nimmt sich als vom Samen her in seiner individuellen, materiellen Gestaltung bestimmtes Wesen an, „wuchert mit diesem Pfund“, bringt dann in sommerlicher Reifung seine einzigartigen persönlichen Potenzen heraus, offenbart sich als „reifes Früchtchen“, zeigt Herz und Seele, überschreitet seinen „geistigen Horizont“, gibt seine Individualität im herbstlichen Zustand auf, opfert sozusagen im Sich-Einfalten das körperlich-seelisch Gebundene für eine Idee, für ein Wir-Verständnis, findet dabei zur „übergeordneten Erkenntnis“ und gibt sich dann vertrauensselig, selbstlos hin an das nicht mehr subjektiv Fassbare, an das nicht Messbare, scheinbar ewig Dunkle: den winterlichen Zustand der Transzendenz, des Irrationalen, des Chaos.

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An jedem Übergangspunkt gibt es eine Krise, eine Angstschwelle unabhängig von der Charaktereigenschaft, ein mehr aktives oder passives Wesen zu sein.

Der Unterschied liegt nur darin, dass z.B. der aktive, sich optimistisch dem Kommenden (dem Kreislauf des Schicksalsrades folgend) zuwendende Mensch Ja zu dem Unbekannten, Neuen sagt, während der passive, meist pessimistische (weil die in der Vergangenheit erfahrene Veränderung bzw. Zerstörung jedes Zustandes nicht akzeptiert werden kann) Mensch Nein sagt zu der vom Zeitgeist (der mitgegebenen dynamischen Drehung des Rades) bestimmten, unvermeidlichen Veränderung.

Immer geht es schließlich darum, sich „das Recht zu nehmen, seine Pflicht zu tun“, die Einsicht zu gewinnen, dass das vom Schicksal Bestimmte (auf dem Weg des Rades Liegende) freiwillig angenommen wird und die vergangenen Erfahrungen auf die nächste Stufe transformiert werden wollen und sollen. Das bedeutet:

Es geht immer um das Abschiednehmen von der Vergangenheit, indem man sie als Schatz des Wissens in die Gegenwart integriert, sie ins Verhältnis zum neu Kommenden setzt und etwas ganz Neues entstehen lässt; etwas, das vielleicht gar nicht mehr an das Vergangene erinnert oder nur noch ganz abstrakt, aber nie den Wert des Alten (Traditionellen) verleugnet.

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Wer dies verstanden hat, hat die Gesetzmäßigkeit der Welt verstanden, kann die obige Zeichnung symbolisch auf alle Entwicklungsprozesse übertragen, weiß, dass die Angst überwunden werden muss, immer eine Öffnung gesucht werden muss, um aus der Enge (Angst) herauszutreten in die Welt der unbegrenzten „Möglichkeiten“, in den kreativen Entwicklungsprozess.

Osten-Norden-Westen-Süden zu vereinigen, ebenso das Ich mit dem Du, das Oben mit dem Unten, das Heiße mit dem Kalten, das Diesseitige mit dem Jenseitigen, das Lichte mit dem Schatten.

 

Die Speichen und die Nabe könnten z.B. sein:

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oder:

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Wie gesagt, dies alles gehört zusammen, ist gleichzeitig da, jedoch meist nur teilweise bewusst. Jede Minute des Da-Seins in dieser Welt dient immer und überall der Erhellung des Bewusstseins.

„Wege aus der Politikverdrossenheit“ sind nur möglich, wenn die bis hierher von allen Fakultäten nachzuvollziehenden einfachen Gesetzmäßigkeiten in allen Dingen der Schöpfung ins Bewusstsein gerückt werden und in jeder Konsequenz als Gesetzmäßigkeit anerkannt werden; auch dann, wenn etwas „seine Zeit gehabt“ hat, verloren gegeben werden muss zugunsten einer neuen Erkenntnis – „von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

 

Meine persönliche Betrachtung zum „Rad des Schicksals“ der deutschen Nation folgt nun:

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Alle sichtbare, erkennbare, den Horizont überschreitende Entwicklung beginnt im Osten. Jeden Morgen geht nach wie vor dort die Sonne auf (erreicht im Süden den Zenit/Höhepunkt, im Westen geht sie unter, im Norden wirft sie geheimnisvoll lange Schatten usw.)

Analog ist dies auch kulturhistorisch nachzuvollziehen: Vom Nomaden (Durchsetzung im Raum) wird der Mensch zum Siedler („Besitz“), danach zum Händler („Entfaltung“). In Deutschland fand dieser evolutionäre Prozess seinen Höhepunkt. Nun dreht sich das Rad weiter und nach der Überwindung der Angstschwelle wird es nun um die „Hingabe“ an das Bestehende auf einer neuen Ebene, der Seelen-Ebene, gehen, um das Sich-Einlassen auf das, was im Innern der geschaffenen Realitäten verborgen ist:

das Weiche, Subtile, Feine, das geschützt und bewahrt werden musste, um nun, „zum rechten Zeitpunkt“, als die individuelle „Stärke“ Deutschlands analysiert und im Verhältnis zu den Partnern („Ich-Du-Aussteuerung“) dankbar, selbstbewusst und demütig, hervorgebracht zu werden.

Das heißt auch:

Abschiednehmen von der Fortschrittsgläubigkeit im materiellen Bereich.

Es geht wie bei einer Pflanze, die ihren Frühlingszustand hinter sich hat, um das Fallenlassen der Blütenblätter, um den kleinen persönlichen Fruchtknoten im Innern fortan zur Reifung bringen zu können.

 

Auf deutsche Verhältnisse übertragen, können wir diese Reifung (passiv – leidvoll oder aktiv – freudvoll) nur erfahren, wenn wir loslassen vom Geschäftigsein um des Beschäftigtseins willen – ohne die Sinnfrage zu stellen; ohne die Überprüfung, wofür wir das Erbpfund bewusst nach innerer, in der Seele sich spiegelnden Bestimmung einsetzen sollen. Der „innere Wert“ ist nun gefragt, nicht der repräsentative zur Schau gestellte äußere Wert. Das ist Zeitgeist. Der wirkt. Auch dann, wenn die tätigen Kräfte – die heute Deutschland als ihre reale, gefühlsmäßige, geistige oder Traum-Heimat begreifen – die Analyse meist noch längst nicht konsequent an diesen Punkt führten bzw. führen konnten.

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Diejenigen, die Deutschland bevorzugt als ihre „reale Heimat“ begreifen, wollen den Besitzstatus erhalten, wollen nicht teilen, schon gar nicht materielle Werte wie Geld und Land. Sie wollen bewahren, wo es um das „Loslassen der Blütenblätter“ geht, um andere Werte zu erhalten.

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Jene, die Deutschland bevorzugt als ihre „geistige Heimat“ begreifen, verteidigen die bis dahin aus den geschichtlichen Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse als „Stein der Weisen“, doch je länger der „Stein“ gehalten wird, je schwerer wird er, zieht erdwärts, erzwingt das Loslassen, um den der Erde zurückgegebenen Stein gegebenenfalls gegen einen anderen auszutauschen oder neu aufzunehmen.

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Diejenigen, die Deutschland bevorzugt als ihre „Traum-Heimat“ begreifen, müssen ent-täuscht werden, denn sie haben sich getäuscht, indem sie annahmen, ein materiell starkes Deutschland wäre auch auf anderen Seinsebenen gleich stark und hätte die aufnehmende, hingebungsvolle Kraft, selbstbewusst Fremdes als Lernprogramm anzunehmen und zu integrieren. Das aber will gelernt sein: in der kommenden Schulklasse. Vorher stößt ein solches Verlangen auf Unverständnis, denn man kann nur im stufenweisen Aufbau des Lehrplanes irgendwann alles lieben (lernen) und das Eigene (subjektiv Begrenzte) mit allen teilen.

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Diejenigen allein, die Deutschland in seiner Seelenkapazität begreifen, das heißt den in die gegebenen Grenzen und den materiellen Raum gesteckten geistigen Inhalt entdeckbar machen wollen, liegen entsprechend der stufenweisen Entwicklung richtig. Sie spüren, was jetzt notwendig ist (was die Not zu wenden vermag). Man könnte sagen:

Dem Zeitgeist entspricht es, dass sich Deutschland auf seine tiefsten Tiefen einlassen muss, auf das Geistige, das sich an die Materie bindet (=Seele), auf den geistigen Gehalt, auf die Ethik in der äußeren Ästhetik (das Vorhandene-Materielle-dafür nutzend).

Der Körper, (das Begrenzte), das Staatsgebilde, die Strukturen sind geschaffen und funktionsfähig. Dabei wird er naturgemäß verbraucht. Teilweise braucht er nun Therapie, Seelen-Behandlung.

Die Symptome wollen im Sinne der Psychosomatik erkannt (analysiert) werden. Heilung kann sich als Gnadenakt ergeben (nicht rational zwingend), wenn die Entsprechung des äußeren Geschehens (Symptoms) zum geistigen Ursprung gefunden ist. Dem gilt „das strebende Bemühen“.

 

Deutschland ist aufgefordert, den Sinn der geschaffenen, gut funktionierenden Ordnungen zu finden.

 

„Krankheitsbilder“ (Störungen im Organismus) sind Sinn-Krisen. „Politikverdrossenheit“ ergibt sich dort, wo der Sinn entsprechend des übergeordneten gesetzmäßigen Planes nicht gegeben bzw. nachvollziehbar ist.

Diese Feststellung ergibt sich nicht nur für die Staats-, Länder-, Kreis- und Gemeindepolitik, sondern auch für die Unternehmens-, Vereins- und Familienpolitik.

Alle gesellschaftlichen Instanzen sind betroffen, denn ob sie es wollen oder nicht, sie sind Teile des Ganzen und diesem nach höherer Gesetzmäßigkeit als dienende Glieder verpflichtet (was sich auf die Philosophie stützt, dass wir als einzelne Bürger nicht zufällig in einem bestimmten Land geboren sind bzw. durch schicksalhafte Umstände dorthin kommen, sondern dass uns immer nur zufällt, was uns zur Erfüllung unseres Lebensplanes als schicksalhafte Herausforderung zufallen soll).

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Deshalb gilt jeder berechtigt als rückständig und fehlgeleitet, der seine Seele für Materielles verkauft. Das sind nach vorherigem Schaubild für Analogien zum „Körper“ (Materie) alle, die

  1. auf materielle Durchsetzung bauen (Eingriff in bestehende Ordnungen mit Gewalt, z.B. Krieg)
  2. ihren äußeren materiellen Besitz als alleinige Projektionsfläche für ihren Eigenwert begreifen und diesen abgrenzen, z.B. in den verschiedenen Instanzen durch Zäune, Mauern, Schlagbäume; Versicherungen; Sammeln von Immobilien/Schätzen/Geld. Sie bauen den modernen „Turm zu Babel“, der zusammenbrechen wird.
  3. annehmen, der Fortschritt ergäbe sich allein nach erklärtem Willen über die Entfaltung in immer größere äußere Dimensionen (Grenzüberschreitung und dadurch Erfassen der äußeren Welt über Handel, Reisen, Kommunika-tionstechniken, Wissensvermehrung).

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Deshalb gilt jeder berechtigt als „spinnert“ (weltfremd, nicht an der Realität orientiert und geistig oder spirituell abgehoben), der das Heil bei anderen sucht und nicht die eigenen Werte sinnhaft macht, d.h. den inneren Wert des äußeren Wertes entdeckbar macht. Das sind jene, die

  1. Partnerschaften um der Partnerschaften willen eingehen, weil es halt schick ist, heutzutage mit vielen in Beziehung zu treten. Doch die Analyse, wer zu wem passt, will vorher gemacht sein. Dazu muss ich (=Deutschland) meinen Wert kennen (Körper und Seele)
  2. Vorstellungen und Ideen (Ideologien), die in sich beschränkt sind, dogmengleich einbringen und Macht-Bündnisse entsprechend des Stichwortes „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ eingehen. Das so genannte Geistige wird der Materie (Kapital, Rüstung) aufgeopfert und als Verteidigungspotential ver-bind-lich, d.h. es bindet das Bestehende, lässt keinen Freiraum für offene Verhältnisse (wertfreie, nicht an ein vorgegebenes ideologisches Ziel gebundene Kooperation).
  3. ihre subjektiven Erkenntnisse als geniale Findungen oder Erfindungen verkaufen wollen und pharisäerhaft Toleranz, Ökumene, Großzügigkeit mit Liberalität gleichsetzen und offenbaren (Nein – in der „Libra“ sein, heißt in der Waage sein, in der bewusst gewordenen Ausgewogenheit von meinem und deinem Wert; „Liberta“, Freiheit, gefunden zu haben, bedeutet, die Erkenntnis zu haben, dass es die Welt nicht gibt, sondern jeder in seiner Welt lebt.

Deshalb: Akzeptanz statt Toleranz, Wissen um das sinnvolle Nebeneinander mit unterschiedlichen Aufgaben statt „großzügige“ Gleichmacherei und offenes Vertreten der Eigenheiten, um die Unterschiede bewusst und wach zu halten).

 

Alle diese pervertierten geistigen Möglichkeiten können erst transformiert und positiviert für Deutschland nutzbar gemacht werden, wenn der „Tag nicht vor dem Abend gelobt werden soll“ und die Bewusstmachung, die Religio, beginnt, das Geschöpfte (Materialisierte) dem Sinn zuzuführen, bewusst eine Seele einzuhauchen.

 

Alle „jenseitigen“ Kräfte wollen den Traum nähren, Deutschland sei schon das „Non-plus-Ultra“ – im positiven und negativen. Sie sind eben auch „spinnert“, nur im Spirituell-Transzendenten (der körper-lich-seelisch-geistigen Welt Entrückten) statt im Geistigen-Intellektuellen. Sie drücken sich wie folgt aus:

  1. Sie machen aus historischen Erfahrungen ein ehernes Gesetz, verteidigen das Alte und sind nicht bereit, neue Impulse aufzunehmen. Sie haben in rationalen Dingen immer Recht, denn sie können immer auf konkrete Ereignisse (bzw. scheinbar ewig neu aus der Tradition kommenden Werte) verweisen.
  2. Sie erkennen keinerlei Gesetzmäßigkeiten an, wollen alles Traditionelle, Bestehende, bis dahin Beständige erneuern, bekämpfen es. Revolutionieren nicht, um noch bestehende Schwachstellen zu schließen, sondern wollen alles grundsätzlich ändern.
  3. Sie folgen den von der Masse getragenen Führern blind. Sie gehen als einzelne unter im großen Meer des Stimmviehs (wenn es nur materiell gut geht).

Sie verstehen und verzeihen als „esoterisch“ Geschulte alles, ehe sie selbst einen Weg der Arbeit gegangen wären, „den Himmel auf die Erde“ zu bringen (und dabei das Nicht-Verstehen als Bedingung für die wahre -verborgene- Harmonie begriffen hätten). Sie sind nicht mehr politisch, obwohl sie die Welt der Gegensätze noch nicht verstanden haben. (Doch nur jene sind berechtigt unpolitisch, die die Gesetzmäßigkeit des Pro und Contra erkannt haben und statt Entweder:Oder ein Sowohl:Als auch anerkennen und fördern. Das entspricht jedoch einer Kultur, die die Politik bis jetzt nirgends kennt – und das heißt, da die Politik von Menschen gemacht wird, dass die Menschen nirgendwo auf der Welt diesen hohen Bewusstseinsstand haben und deshalb die Politik als Spielfeld brauchen, bis sie dahin gefunden haben.)

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JETZT

geht es darum, bewusst die um der Funktionalität des Unternehmens Deutschland willen in den Keller verbannten Gefühle, das Sensible, Weiche ans Licht, an die Oberfläche zu bringen, damit es nicht verkommt. Das drückt sich aus in der Frau an sich, im archetypisch Weiblichen, in der Synchronizität aller Erscheinungen, auf die die Attribute einfühlsam, sensibel, weich, hingabefähig, offen, beeindruckbar zutreffen. Daraus ergibt sich die Erfahrung, was uns von außen beeindrucken, verletzen und beglücken kann, mit wem wir mehr werden als wir sind, wer uns bereichert und ergänzt, was wir an individuellen deutschspezifischen Stärken haben und für andere hingeben sollen, damit sie dadurch gesättigt, geheilt und beglückt werden.

 

Wer diese Ethik als Politiker nicht in sich trägt, wird nicht grundsätzlich anerkannt sein, wird von den Sensiblen, den Intuitiven, die Erfordernisse der Zeit Spürenden abgelehnt. Entsprechend des sich drehenden Rades werden immer mehr vom Rad der Zeit erfasst – und es werden immer mehr werden, die erkennen und nachfolgend die widerstrebenden Kräfte bekämpfen (aktiv) oder fliehen (passiv).

 

Die Kämpfenden sind im pervertierten Extrem die Terroristen (Ideologie gegen Ideologie); die Rechtsextremisten, die narzißtische alte Werte verteidigen; die Linksextremisten, die gleichmachen wollen, was nicht gleichzumachen ist, die kein geordnetes Gefüge bestehen lassen, sondern um der Revolution willen revolutionieren; die Sektierer, die ihren Gottesbegriff in politische Machtstrukturen verpackt haben, aber überstaatlichen Anspruch haben. Sie sind aber auch im gewöhnlichen normalen Alltag zu finden, z.B.

  • als Wehrdienstverweigerer
  • als um die verlorene Heimat Kämpfende
  • als Demonstranten, Boykotteure, Steuerhinterziehende
  • Auswanderer

 

Die Passiven geben sich als „Null-Bock“-Marionetten der Konsumgesellschaft zu erkennen. Sie sind in ihrer Anpassung so grenzenlos, dass es dem Strom der Zeit gefällt, sie blind und gefügig mit jeder (Mode-)Welle zu erfassen und irgendwohin zu treiben. Es gibt keinen Eigenwillen, keinen Eigenwert, keine persönliche Entfaltung, keine Identifizierung mit irgendetwas, das aus eigener Analyse und selbstbewusster Wert-schätzung gewachsen wäre. Sie sind unmündig (geworden bzw. gemacht worden).

 

Es dabei zu belassen, ist unwürdig, widerspricht dem Auftrag der deutschen Verfassung.

 

Der Weg aus der Politikverdrossenheit heißt:

Bewusstseinsarbeit

 

Das bis hierhin Gesagte muss von den verantwortlich Führenden in allen Gesellschaftsbereichen anerkannt und beispielgebend gelebt werden.

Dann werden alle aufgefordert, für diese Werte individuell aktiv zu sein, auch wenn das unbequem ist und das partei- oder ideologiegebundene Mitläufertum aufhört.

Der Schwerpunkt des Handelns liegt nicht mehr auf Verteidigung des Alten, Erworbenen, sondern auf Hingabe an das Neue, auf Offenheit dem Unbekannten gegenüber, auf Vertrauen, dass die geschaffenen Strukturen das Kommende tragen.

Das Individuum wird dazu angehalten und gefördert, seine persönliche individuelle Meisterschaft zu erarbeiten, kritikfähig zu werden und zu sein, statt nach sozialistischen Modellen in der Masse unterzutauchen, ehe es seinen Eigenwert analysierte und Selbst-bewusstsein in die große Gemeinschaft für ein „Netzwerk“ einzubringen vermag.

 

Konkrete beispielgebende Schritte der Führungsverantwortlichen dazu:

 

  • Förderung des Weiblichen

(u.a. gleichberechtigte – auch zahlenmäßige – Aufnahme von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen, im Vertrauen darauf, dass sie die von Männern geschaffenen Strukturen sinnvoll nutzen, in der Tiefe erfassen, durchdringen, ausfüllen und bereichern können)

 

  • Überwindung der Angst

(u.a. durch Abbau der Verpflichtungen gegenüber den Besitz verteidigenden Kräften, d.h. Rüstungsabbau, Verkauf von Staats-, Landes-, Gemeindeeigentum, Relativierung der Versicherungen in Bezug auf die Wahrheit der Nicht-Versicherbarkeit des Lebens; Überprüfung und ggf. Lösung der Verträge, die dem faustischen „Pakt mit dem Teufel“ gleichkommen und die deutsche Seele, die inneren Werte, verkaufen.)

 

  • Aktives, selbstbewusstes Bekennen der deutschen Tugenden / Gegebenheiten

(u.a. auch aus den Schwächen die Stärke ziehen und Unvollkommenheit eingestehen. Auf jeden Fall aber die eigene Wahrheit über die Taktik stellen – und nicht weiterhin nach außen den schönen Schein aufrecht halten, wonach viele glauben, wir Deutsche wären stärker als wir wirklich sind. Das heißt auch: Wir sind kein Einwanderungsland, weil wir im Detail noch kein Bewusstsein dazu erarbeitet haben).

Mehr wäre im Moment weniger!

 

Die im Moment mögliche Analyse bestehender Verhältnisse entspricht der Erkenntnis des Parzival: „Das Land und der König sind eins“ („Im Samen liegt die Frucht“ – die Leiden des Volkes, des Staatsgefüges, sind die Leiden des Staatsrepräsentanten -. Wer dem Ganzen helfen will, muss beim einzelnen beginnen. – Deutschland und der Bundespräsident sind eins.)

 

Der hoffnungsvolle Weg, den wir Deutschen aus der Politikverdrossenheit gehen können und müssen, wird ebenfalls von Parzival vorgezeigt:

Wir müssen denselben Weg, den wir gegangen sind, noch einmal nachvollziehen, bewusst machen – mit einem Unterschied: Wir fragen nicht mehr „Was hat das Ding?“ (z.B. Staatsgebilde), sondern „Was fehlt Dir?“ (z.B. dem Staatsgebilde, dem Bundesprä-sidenten, dem Bundeskanzler usw.)

Wenn wir mit dieser Frage jedem auf dem Weg, auf der Suche nach Vollkommenheit, begegnen, werden wir Gleichberechtigte, gemeinsam auf Antwort Wartende. Wir unterstützen den anderen, das Fehlende zu finden, und hören auf, die Schuld zu projizieren, noch immer nicht alles (den Gral) gefunden zu haben.

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wie innen, so außen