Weihnachten – Fest des Lichts

Bald ist es so weit: Wir feiern Weihnachten, das Fest des Lichts. Viele Kerzen werden entzündet, um die Dunkelheit zu durchdringen, um symbolisch darauf hinzuweisen, dass nun die Phase im Jahreslauf erreicht ist, in der das Licht wieder wächst: die Tage länger werden und die Dunkelheit zurückweicht. So geht es im ewigen Wandel. Licht und Dunkelheit bedingen einander, gehören zusammen.

Das Licht wird in der Dunkelheit geboren. So ist es (symbolisch) folgerichtig, dass der Lichtbringer, derjenige, der die Dunkelheit durchdringt, Jesus, in dunkler Nacht geboren werden musste, in Armut, zurückgezogen in einem Stall, einer Höhle, nur von den Weisen als herausragenden Kopf-Menschen und den Hirten als wachsamen Herzens-Menschen auffindbar.

Genauso folgerichtig ist es, dass der Morgenstern, das aufgehende Licht, Luzifer genannt wird. Dass im Laufe der Zeit aus diesem Lichtbringer der Teufel gemacht wurde, der den neugeborenen Christus zu verschlingen droht, ist eine einseitige, christliche Interpreta-tion, die aber Sinn macht, wenn man mit dem Unsinn aufhört, dass Göttliches nur mit dem Licht gleichgesetzt werden könne.

Allmächtig zu sein, bedeutet, Herr über Licht und Dunkelheit zu sein. –

Wie wunderbar ist es, dazu die Worte von Osho aufzunehmen, der – wer sehen kann, der sehe – selbst den Christus-Weg ging und sich von seinen Häschern an das Kreuz seiner Zeit schlagen ließ, um deutlich zu machen, dass man für seinen individuellen geistigen Auftrag zu sterben bereit sein muss, wenn man heim finden will zu dem, von dem man gekommen ist. (Die Schlange, der Messias – Luzifer und Jesus – erhebt sich am Baum dieser Erkenntnis.)

„Es gab Leute, die sagten: „Gott ist Licht.“ Aber was fängst du dann mit der Dunkelheit an? Dann musst du erklären, woher die Dunkelheit kommt. „Gott ist Tag“, haben viele gesagt: „Gott ist die Sonne, das Licht, die Quelle des Lichts!“ Aber wo kommt dann die Nacht her? Wo kommt das Dunkle her, der Teufel, die Sünde? Woher? Und warum haben die Menschen von Gott als Licht gesprochen? Man muss das psychologisch verstehen. Die Menschen haben Angst vor der Dunkelheit, aber im Licht fühlen sie sich sehr wohl. Die Vorstellung stammt aus eurer Angst. Warum nennt ihr Gott „Licht“?

Der Koran schreibt: „Gott ist Licht“; die Upanishaden sagen: „Gott ist Licht.“ Die Bibel sagt: „Gott ist Licht“. Nur eine kleine esoterische Schule wich davon ab, und in dieser kleinen Schule wurde Jesus gelehrt und aufgezogen, auf das Göttliche vorbereitet; man nannte sie die „Essener“. Sie waren die Lehrer und Meister von Jesus. Nur diese Schule sagte: „Gott ist das Dunkle, die Nacht“. Auch sie schlossen das Gegenteil aus, sagten nie: „Gott ist Licht“. Sie gehen zum anderen Extrem, aber das ist schon beachtlich genug.

Versucht, die Symbolik von Licht und Dunkelheit zu verstehen. Ihr habt im Licht keine Angst, weil ihr sehen könnt. Keiner kann bei hellem Tage so leicht angreifen. Du kannst dich verteidigen oder fliehen, du kannst entscheiden, ob du kämpfen oder die Flucht ergreifen willst. Du kannst etwas tun, du kennst dich aus. Licht ist das Symbol des Bekannten. Gegenüber dem Bekannten verspürst du keine Angst. Dunkelheit ist das Unbekannte. Angst schnürt dir dein Herz zu. Du weißt nicht, was um dich herum geschieht. Alles ist möglich; du bist wehrlos. Licht ist Sicherheit; Dunkelheit ist Unsicherheit. Licht ist wie Leben; Dunkelheit wie Tod.

Licht hat immer eine Begrenzung, Dunkelheit ist grenzenlos, ist unendlich. Licht ist im Grunde genommen aufregend, es regt dich an, regt dich auf, Dunkelheit ist absolut nicht aufregend. Licht ist warm, Dunkelheit ist kühl, kühl wie der Tod und geheimnisvoll. Licht kommt und geht; Dunkelheit bleibt. Darum setzten die Essener Gott mit der Dunkelheit, der Nacht gleich, weil das Licht kommt und geht, die Dunkelheit aber bleibt. Dunkelheit ist ewig. Licht ist ganz offenbar etwas Vergängliches. Man kann Helligkeit herstellen, aber nicht Dunkelheit, das geht über unsere Kapazität. Man kann Licht ein- und ausschalten, aber man kann Dunkelheit nicht an- oder ausschalten. Sie steht über dir. Sie ist. Licht ist gefügig. Wenn es dunkel ist, kannst du Licht machen, aber du kannst keine Dunkelheit machen; du kannst über Dunkelheit nicht verfügen. Sie liegt einfach außerhalb deiner Kontrolle. Du zündest dein Licht an und weißt, dass dieses Licht zeitgebunden ist. Wenn der Brennstoff aufgebraucht ist, geht das Licht aus; aber die Dunkelheit ist ewig, sie ist immer da. Sie existiert, scheint es, ohne Grund, grundlos. Sie war immer, sie wird immer sein.

Und so haben sich die Essener für die Dunkelheit als Symbol Gottes entschieden.“

Liebe Leserinnen und Leser, so lässt sich offenbar rational alles von einem extremen Pro- oder Contra-Standpunkt erklären. Hier arbeitet die Vernunft, die unterscheidet in Entweder:Oder. So wie Sie jetzt mit dieser Meinung entweder konform gehen oder sie ablehnen. Die Verwirrung ist total, wenn nun gesagt wird: Gott ist beides, Licht und Dunkelheit. Dann ist der Verstand verwirrt. Dann ist es irrational. Dann verstecken wir uns selbst lieber hinter Rationalisten wie Gandhi, die einseitig ihr Eintreten für den Frieden als Bekenntnis zum Licht verstanden wissen wollen. Oder wir verstecken uns hinter Nietzsche, der sagt, Gott sei Krieg. Wir sind dann mit jenen im geistigen Bund, die sich nicht vorstellen können, dass Gott auch Frieden ist.– Hören wir weiter Osho zu, wenn er jenen interpretiert, der das Polare aufhebt und Sowohl:Als auch sagt, Heraklit.

„Was wäre Frieden ohne Krieg? Ist Frieden ohne Krieg überhaupt möglich? Und wäre ein solcher Frieden ohne Krieg nicht einfach nur ein Friedhof? Stellt euch vor: kein Krieg auf der Erde, nur Frieden, was für eine Art von Frieden wäre das? Es wäre ein kalter Frieden, wie eine schwarze Nacht, tot. Krieg liebt Intensität, Dynamik, Schärfe, Lebendigkeit. Aber wenn es nur Krieg und keinen Frieden gäbe, wäre das genauso tödlich.

Wenn du dich für eine Seite des Gegensatzes entscheidest, wenn du nur einen Pol wählst, stirbt alles ab, weil das Leben nur durch Polarität gedeiht. Krieg und Frieden, Dunkelheit und Licht: beides. Überfluss und Mangel, Zufriedenheit und Unzufriedenheit: beides. Der Weg und das Ziel: beides. – Schwer zu verstehen, aber das ist die Wahrheit.

Es ist Gott, der in dir begehrt, und es ist Gott, der in dir gestillt wird. Wer das akzeptieren kann, akzeptiert total. Die Leidenschaft in dir ist Gott, und Gott ist es, der in dir erleuchtet wird. Die Wut in dir ist Gott, und wenn aus ihr Mitgefühl geworden ist, dann ist das auch Gott. Da gibt es nichts zu wählen. Aber blicke der Tatsache ins Auge: wenn es nichts zu wählen gibt und alles Gott ist, verschwindet dein Ego einfach, weil es nur durch die Wahl existiert. Wenn es nichts zu wählen gibt, und alles ist einfach so wie es ist, dann kann man nichts tun, dann ist Gott beides. Wenn der Wählende, wenn die Wahl verschwindet, verschwindet zugleich das Ego. Dann akzeptierst du, akzeptierst du einfach! Ob du hungrig oder satt bist, beides ist gut! – Das ist schwer zu begreifen. Der Verstand kommt ins Schwanken, verliert allen Halt, verliert allen Boden unter den Füßen, ihm schwindelt wie an einem Abgrund. Der Verstand will eine klare Wahl: entweder dies oder das.“

Daraus leitet sich ab: Himmel und Hölle sind eins. Gott und Teufel sind eins. Für alles, was in dieser Welt vor sich geht, ob wir es göttlich oder teuflisch, lichtvoll oder dunkel-schwarz malen, sind wir verantwortlich, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, ob wir schlafen oder wachen. Deshalb hat auch der Papst Recht, wenn er darauf hinweist, dass es ein Auswuchs im religiösen Verständnis ist, einseitig das Individuelle zu verherrlichen. Nein, Karma ist angesammelte Schuld (egoistisch einseitig die Welt betrachtet und behandelt zu haben) – und die ist nicht individuell, sondern universell. Wir gehören alle zusammen. Jeder ist für jeden verantwortlich. Wir sind ein Organismus, in dem der Einzelne vom anderen beeindruckt wird. Haben wir die Grippe, ist das nicht auf einen Teil des Organismus, zum Beispiel den Kopf beschränkt, sondern der ganze Organismus ist betroffen. Regeneriert der Kopf, geht es allen anderen Organen auch wieder besser. So ist es in allem. Werden Veetman, Tony Parsons, Roy Martina oder Vishwananda erleuchtet, habe ich Anteil daran. Es ist wie in einem Netz: Wenn man es berührt, schwingt das ganze Netz. Egal, von wo die Berührung ausgeht, das Ganze vibriert! –

Wenn wir in der Pyramide im CENTRO auf Lanzarote unsere Kerzen anzünden, tun wir das für das Ganze, denn alles, was wir tun, tut Gott, der Schöpfer des Ganzen; alles, was wir sind, ist Gott, alles was sich aus unserem Tun gestaltet, wird Gott.

Die Kerzen, die Sie, liebe Freundinnen und Freunde, irgendwo in der Welt anzünden, sind Zeichen innerhalb Ihrer begrenzten Zeit, in der Sie Lichtbringer sein dürfen, die darauf hinweisen, dass die ewige Dunkelheit, die Angst, die Enge, eine Weite in sich trägt, die für uns in dieser Welt Freiheit, Liebe, Energie, Licht bedeutet.